Österreich ist von Atomkraftwerken umgeben, deren Sicherheitstechnik zum Teil fragwürdig ist. Bedauerlicherweise sind daher Reaktorunfälle wie etwa in Tschernobyl nicht auszuschließen. Eine flächendeckende Bevorratung mit Kaliumjodidtabletten soll im Falle eines Zwischenfalles vor radioaktivem Jod schützen. Radioaktives Jod kann nach schweren Reaktorunfällen in Grenznähe in großer Aktivität freigesetzt und bei ungünstiger Wetterlage auch zu uns verfrachtet werden.

 

Kaliumjodidtabletten, rechtzeitig eingenommen, bieten einen effektiven Schutz gegen die Aufnahme von radioaktivem Jod in die Schilddrüse und daher gegen Schilddrüsenkrebs. Die Bevorratung dieser Tabletten stellt somit eine wichtige Strahlenschutzmaßnahme dar.

 

Wann sollen Kaliumtabletten eingenommen werden?

Die Tabletten dürfen im Katastrophenfall nur nach ausdrücklicher Anordnung durch die Gesundheitsbehörden eingenommen bzw. verabreicht werden!

Eine derartige öffentliche Aufforderung ist nur dann zu erwarten, wenn

 

  •  es in Grenznähe zu einem schweren Kernkraftwerksunfall kommt, bei dem massiv radioaktives Jod freigesetzt wird und
  •  auf Grund der Wetterbedingungen mit einer Verfrachtung nach Österreich zu rechnen ist

 

Folgender Ablauf ist in einem Katastrophenfall vorgesehen

  •  Warnung durch Sirene oder Lautsprecherwagen
  •  Radio/TV einschalten
  •  nur nach ausdrücklicher behördlicher Aufforderung Kaliumjodidtabletten einnehmen bzw. verabreichen
  •  weitere behördliche Verhaltensmaßregeln abwarten bzw. befolgen

 

Wer soll Kaliumtabletten einnehmen?

Die Erfahrungen aus Tschernobyl und bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Daher ist die öffentliche Bevorratungsaktion speziell auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet.

 

Wie werden die Tabletten dosiert bzw. eingenommen (Tagesdosis)?

Die Tabletten bzw. Tablettenteile werden zerdrückt und mit viel Flüssigkeit eingenommen.

 

Dosierung?

Ärztliche Kontrollen nach der Einnahme sollten bei Kindern
im 1. Lebensmonat routinemäßig vorgenommen werden!

 

Wer darf keine Tabletten einnehmen?

  •  Personen mit Jodüberempfindlichkeit

Personen, die an folgenden seltenen Erkrankungen leiden:

  •  Dermatitis herpetiformis (- seltene Hauterkrankung)
  •  Jododerma tuberosum (- seltene Hauterkrankung)
  •  Pemphigus vulgaris (- seltene Hauterkrankung)
  •  Myotonia congenita (- seltene Muskelerkrankung)
  •  Hypokomplementämische Vaskulitis (- seltene Gefäßerkrankung)

 

Öffentliche Bevorratung

Die öffentliche Bevorratung ist für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre sowie Schwangere und Stillende vorgesehen, weil diese aus strahlenhygienischer Sicht die Hauptzielgruppen darstellen.

 

Haushaltsbevorratung
Die Kaliumjodidtabletten werden an die Zielgruppe bzw. deren Eltern im Wege der öffentlichen Apotheken ausgegeben.

 

Zentrale Lagerung
2/3 der Tablettenbestände werden zentral in Apotheken, ärztlichen Hausapotheken und Krankenanstalten gelagert und im Anlassfall ausgegeben. Im Anlassfall ist eine rasche Verteilung der Tabletten von den zentralen Lagerstellen zu den Orten besonderen Bedarfs (Schulen, Kindergärten) vorgesehen. Für die Abgabe der Kaliumjodidtabletten im Kindergarten- bzw. Kinderheimbereich ist das Vorliegen des elterlichen Einverständnisses erforderlich.

 

Private Vorsorge

Personen von 17- bis 45 Jahre haben die Möglichkeit die Tabletten zur Eigenvorsorge in Apotheken zu kaufen.

 

ACHTUNG

Kaliumjodidtabletten sind keine universell wirksamen “Strahlenschutztabletten”.
Sie schützen bei zeitgerechter Einnahme nur die Schilddrüse vor
inkorporiertem Radiojod. Sie schützen nicht gegen andere radioaktive
Substanzen und nicht gegen Strahlung, die von aussen auf den Körper einwirkt.
Zusätzlich erforderliche Schutzmaßnahmen (zum Beispiel vorübergehender
Aufenthalt in geschlossenen Räumen, Nahrungsmittelkontrolle)
werden dadurch keineswegs überflüssig!